
Wenn der eigene Hund Angst zeigt oder aggressiv reagiert, fühlen sich viele Menschen schnell hilflos, verunsichert und oft sogar schuldig. Das kann ich sehr gut verstehen, denn es ging mir mit meiner Smilla in den ersten 2 – 3 Jahren ähnlich! Nur von außen betrachtet wirkt der Hund oft „schwierig und unberechenbar“. Doch wenn wir genauer hinschauen, sehen wir etwas ganz anderes:
Überforderung, Stress, innere Konflikte, fehlende Sicherheit und oft auch Schmerzen oder Krankheit
Und genau deshalb beginnt mein justDog Hundetraining nicht mit „Gehorsamsübungen“, sondern mit einem starken Fundament aus Sicherheit, Entlastung, planbaren Abläufen, Ritualen und Ankündigungen – mit einem Stressmanagement!
Stressmanagement ist für mich kein „Bonustraining“, sondern immer der erste Schritt der getan werden muss, damit dein Hund überhaupt wieder gut denken, lernen und mit dir kooperieren kann.
Stressmanagement bedeutet nicht, dass dein Hund nie mehr schwierig Situationen erleben wird. Es bedeutet vielmehr, dass du seinen Alltag so gestaltest, dass er möglichst oft handlungsfähig bleibt und möglichst selten in eine Überforderung gerät.
Angst- und Aggressionsverhalten entsteht häufig dann, wenn mehrere Bedürfnisse aufeinandertreffen, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Ein Praxisbeispiel:
Je besser wir genau diese Dynamik verstehen, desto gezielter können wir unsere Hunde unterstützen. Um das noch besser einzuschätzen, biete ich für meine Teams nach einem individuellen Einzeltraining passende Gruppenformate an: Begegnungstraining und danach eine mögliche Teilnahme am Social Walk.
Auch meine Smilla ist ein Hund, der von klein auf fremde Menschen eher als bedrohlich eingestuft hat. Sie brauchte ganz klare Strukturen und viele positive Hilfen beim Kennenlernen von Menschen, um sie dann als „ungefährlich“ abspeichern zu können.
Aus meinem Leben mit Smilla

Ein häufiger Fehler bei der Behebung von Angst oder Aggressionsverhalten ist, eine „Gewöhnung“ erzwingen zu wollen. „Da muss er jetzt auch einfach mal durch, dann wird er sich schon daran gewöhnen“. Das ist eine Aussage, die ich sehr oft in meinen Erstberatungen von Hundehalter höre.
Was genau bedeutet es denn überhaupt? Noch mehr Hundebegegnungen, mehr Stadtbesuche, mehr Lärm/Knallgeräusche, mehr an der Straße gehen, also mehr von dem was dem Hund Schwierigkeiten bereitet, aber meistens ohne das der Hund passende Bewältigungsstrategien gelernt hat???
Das ist oft vielleicht gut gemeint, bewirkt aber genau das Gegenteil.
Wenn dein Hund immer wieder in Situationen gerät, die er nicht bewältigen kann, findet keine Gewöhnung statt, sondern eine Sensibilisierung. Das heißt, das dein Hund beim nächsten Mal noch schneller, heftiger und früher auf diesen Außenreiz reagieren wird. Möchtest du mehr erfahren über diese Hintergründe schau gerne auf der Seite „sprich Hund“ meine Kollegin Christiane Jacobs.
Wenn dein Hund immer wieder ängstlich oder aggressiv reagiert, war die Situation zu groß und nicht der Hund „ungehorsam“.
Im Stressmanagement ist das bewusste Steuern von angst- oder aggressionsauslösenden Reizen ein ganz zentrales Element. Unter dem Begriff „sensorische Diät“ habe ich diesen Ansatz durch Maria Hense, einer Verhaltenstierärztin und geschätzten Kollegin, beim Training mit meiner Smilla intensiv kennenlernen dürfen.
Es geht dabei nicht um das ständige vermeiden von Auslösereizen, sondern um eine zeitlich begrenzte Entlastungsphase, so das das Nervenkostüm des Hundes erstmal wieder entspannen und etwas runterfahren kann.
Was bedeutet das im Alltag?
Je besser es deinem Hund gelingt Stress wieder abzubauen, desto stabiler wird seine Ausgangslage für spätere, anstrengende Situationen sein.
In den ersten 2 – 3 Jahren mit Smilla, habe ich auf folgende Dinge bewusst geachtet, um eine Reizüberforderung zu vermeiden:
Stress wirkt immer nach, nicht nur im stressigen Moment selbst. Genau deshalb ist eine gut geplante Erholungszeit kein Luxus, sondern ein ganz fester Bestandteil jedes Trainingsplans.
Doch Entspannung ist ganz individuell und bedeutet nicht zwangsläufig „still liegen“ und „nichts tun“. Auch wir Menschen entspannen je nach Persönlichkeit auf unterschiedlichste Art und Weise und unsere Hunde sind da nicht anders.
Für viele Hunde mit Angst- oder Aggressionsthematiken wirken aktive, aber sichere Tätigkeiten oft stärker regulierend als reine Ruhe:
Erst wenn individuelle Bedürfnisse erfüllt sind, fällt echtes Ruhen oft viel leichter.

Ein Hund kann nur dann entspannen, zur Ruhe finden, sich wohl fühlen, wenn er sich auf seinen Menschen, seine Bezugsperson verlassen kann. Das bedeutet, das die Bezugsperson schwierige Situationen für den Hund klug managt. Es geht nicht um ständiges vermeiden dieser Situationen sondern darum, entsprechend der aktuellen Lernsituation die Situation aktiv gestalten, so das der Hund positive Lernerfahrungen machen kann. Zusätzlich lernt der Hund, das er sich auf seinen Menschen verlassen kann.
Aber es gibt auch Situationen, die müssen leider sein, sei es der Tierarztbesuch, das Brustgeschirr anziehen, eine Zecke entfernen, Pflegemaßnahmen, etc. Wenn es sein muss
Kenne ich diese problematischen Situationen für meinen Hund, plane ich dafür zwingend entsprechende Trainingseinheiten und
Daher ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, die klare Trennung zwischen „ich trainiere an einem gewünschten Verhalten“ und den oft unvermeidbaren Situationen im Alltagsleben, die leider sein müssen.
Diese Eindeutigkeit, von dem was als nächstes passiert, schützt dich und deinen Hund.
Pflegemaßnahmen bei Smilla z.B. an den Pfoten durchzuführen, war extrem belastend für meine Hündin. In diesen Situationen hat sie sehr schnell abwehrend reagiert. Ein gut aufgebauter Maulkorb hat mir in diesen „muss sein“ – Situationen zu beginn geholfen, entspannter mit ihr umzugehen. Mit der Zeit und einem gut strukturierten Training konnte ich dann auf diese Sicherheitsvorkehrungen verzichten. Heute zeigt sie mir über ein Ausstiegsritual, wann es ihr zu viel wird und sie muss schon lange nicht mehr aggressiv reagieren, um ihre Bedürfnisse kund zu tun.
Smilla am Schnüffelteppich, ihrem „Exittarget“

Angst- und Aggressionsverhalten können durch körperliche Faktoren extrem verstärkt werden. Schmerzen, hormonelle Veränderungen oder auch neurologische Einflüssen senken die Stresstoleranz und lassen unsere Hunde schneller und heftiger auf Auslösereize reagieren. Eine gute medizinische Abklärung gehört für mich daher immer als Grundlage für ein faires Training dazu.
Das ist aus meiner Sicht ein realistischer Einstieg in eine erste, positive Veränderung.
Draußen:
Drinnen:
Ein gutes Stressmanagement ist kein Trick oder ein kurzfristiges „Pflaster“. Es ist die Basis, auf der Veränderungen erst möglich wird, besonders bei Hunden, die Angst oder Aggression zeigen. Um diese Mensch-Hund-Teams passend und zielführend zu begleiten, habe ich mich genau auf solche Teams spezialisiert.
Gerade bei Angst- oder Aggressionsverhalten reicht ein einzelner Trainingstermin oft nicht aus. Deshalb begleite ich Mensch-Hund-Teams bei justDog Hundeschule Schwerte individuell, alltagsnah in meinem HundetrainingPLUS+ , ein intensives 1:1 Training und auf Wunsch auch online über Zoom, Videoanalyse und Hybridtraining.
Weiterlesen und vertiefen
Vielleicht möchtest du noch tiefer in das moderne Hundetraining einsteigen und erleben, wie es das Training von justDog Hundeschule Schwerte prägt.
In diesen Artikeln findest du weitere Gedanken, praktische Anregungen, theoretische Hintergründe und alltagstaugliche Impulse aus meiner Arbeit:
