
Inhalt:
Im ersten Teil dieser Reihe habe ich ausführlich darüber geschrieben, warum Futterbelohnungen im Hundetraining so wirkungsvoll sind und worauf es dabei wirklich ankommt.
Wenn du diesen Artikel noch nicht gelesen hast, findest du hier den ersten Teil über Futterbelohnungen im Hundetraining.
Heute gehen wir einen Schritt weiter. Denn moderne, positive Motivation bedeutet nicht:
„Ich habe immer ein Leckerchen in der Hand.“
Moderne Motivation im Hundetraining bedeutet:
„Ich verstehe, was meinem Hund wirklich wichtig ist, was er gerade jetzt haben möchte und nutze genau das als Verstärker.“
Und das ist oft viel mehr als Futter.
Eine Belohnung wirkt nur dann verstärkend auf das vorherige Verhalten, wenn sie für den Hund in diesem Moment wirklich relevant ist.
Manchmal ist das ein kleines Stückchen Käse.
Manchmal ist es das Weiterrennen können.
Manchmal ist es das Schnüffeln an genau dieser einen Stelle.
Wenn wir das verstanden haben, verändert sich Training grundlegend.
Wir hören auf, Verhalten „durchzusetzen“ und beginnen, mit Motivation zu arbeiten.
Genau hier beginnt bedürfnisorientiertes Hundetraining.
Umweltbelohnungen sind alle Dinge, die der Hund von sich aus als angenehm empfindet.
Zum Beispiel:

Diese Verhaltensweisen sind intrinsisch motivierend, also von innen heraus belohnend, benötigen also keine zusätzlichen externen Verstärker.
Freilebende Hunde verbringen viele Stunden täglich mit Nahrungssuche, Erkundung und sozialer Interaktion. Wenn wir die verschiedenen Verhaltensweisen dieser natürlichen Bedürfnisse in unser Training integrieren, arbeiten wir nicht gegen die Biologie sondern mit ihr.
Studien zeigen, dass Hunde, die kontrolliert Umweltbelohnungen nutzen dürfen, weniger Stressanzeichen zeigen als Hunde, die ausschließlich mit externen Verstärkern belohnt werden. (Fukuzawa & Hayashi, 2013).
Das entspricht dem LIFE-Modell (Least Inhibitive, Functionally Effective):
So wenig einschränkend wie möglich, so wirksam wie nötig.
Das Premack-Prinzip ist eine hocheffektive Trainingsmethode, bei der ein gern gezeigtes Verhalten (hohe Motivation, z.B. rennen) als Belohnung für ein nicht so gern gezeigtes Verhalten (niedrige Motivation, z.B. langsam neben dem Menschen laufen) genutzt wird. So wird das „neben seinem Menschen laufen“ zur Ankündigung von „und jetzt kann ich in den Freilauf“.
Du arbeitest nicht gegen das Bedürfnis deines Hundes, sondern nutzt es als Verstärker und genau das verändert Training fundamental.
Ein Punkt ist beim Einsatz von Umweltbelohnungen besonders wichtig: Wenn du sie gezielt als Verstärker nutzen möchtest, müssen sie auch wieder freundlich unterbrechbar sein.
Dabei geht es nicht darum, dass dein Hund natürliches Verhalten nur noch auf Freigabe zeigen darf. Es geht auch nicht darum, seine Umwelt ständig zu kontrollieren. Entscheidend ist vielmehr: Wenn du Schnüffeln, Buddeln, Scannen, Rennen oder Weitergehen als Belohnung im Training einsetzt, brauchst du eine Möglichkeit, diese Belohnung wieder ruhig und kooperativ zu beenden.
Denn nur dann bleibt sie im Training wirklich funktional.
Ein gut aufgebautes Aufmerksamkeitssignal
Es bedeutet: „Es lohnt sich, dich wieder zu mir zu orientieren.“
Ein kooperativ trainierter Geschirrgriff
Er ist kein „einfach mal festhalten“, sondern ein positiv aufgebauter Verhaltensunterbrecher, bei dem nach einer Ankündigung ins Brustgeschirr gegriffen wird. Dieser Griff wird vorab sorgfältig und kleinschrittig aufgebaut.

Umweltbelohnungen sind ein sehr schönes Beispiel dafür, wie modernes, gewaltfreies Training funktionieren kann. Wir versuchen nicht, Bedürfnisse klein zu machen oder Motivation zu bremsen. Stattdessen fragen wir:
Wie kann ich das, was meinem Hund ohnehin wichtig ist, sinnvoll in mein Training integrieren?
Das macht Lernen nicht nur wirksamer, sondern oft auch deutlich fairer. Der Hund muss nicht gegen seine eigenen Bedürfnisse arbeiten, sondern erlebt, dass Kooperation Zugang zu dem verschafft, was ihm wichtig ist.
Wenn du mehr darüber lesen möchtest, warum mir in meinem Training ein möglichst wenig eingreifender und gleichzeitig funktionaler Weg wichtig ist, findest du hier auch meinen Artikel zum LIMA – Prinzip im Hundetraining.
Umweltbelohnungen sind weit mehr als ein nettes „nice to have“.F ür viele Hunde gehören sie zu den stärksten Verstärkern überhaupt, weil sie direkt an natürliche Bedürfnisse anknüpfen.
Richtig eingesetzt können sie Training alltagsnah, motivierend und sehr individuell machen. Entscheidend ist dabei, dass sie nicht wahllos genutzt werden, sondern bewusst, freundlich und unterbrechbar.
Denn moderne positive Motivation bedeutet nicht, dass wir Verhalten einfach laufen lassen. Sie bedeutet, dass wir Motivation verstehen und ihr einen fairen Rahmen geben.
Sind Umweltbelohnungen besser als Futterbelohnungen?
Nein, sie sind nicht grundsätzlich besser als Futterbelohnungen passen aber oft besser zur aktuellen Motivation des Hundes. Futter ist präzise und schnell einsetzbar, was ja auch sehr wertvoll ist im Hundetraining. Die Umweltbelohnungen sind dafür aber häufig besonders alltagsnah und stark motivierend für den Hund. Im guten Training geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um eine sinnvolle Kombination.
Müssen Umweltbelohnungen immer nur auf Signal erlaubt werden?
Nein. Natürliches Verhalten darf /soll/muss selbstverständlich jederzeit stattfinden. Wenn wir Umweltbelohnungen aber gezielt als Verstärker eingesetzt, sollten sie freundlich und kooperativ unterbrechbar sein.
Was mache ich, wenn mein Hund sich aus einer Umweltbelohnung nicht lösen kann?
Das kann natürlich immer wieder vorkommen, ist dann aber kein Zeichen von „Ungehorsam“, sondern erstmal nur ein Hinweis darauf, dass diese Umweltbelohnung extrem wertvoll ist für deinen Hund. Also nutze sie sehr bewusst für wichtige Verhaltensweisen, wie z.B. der Rückruf. Zusätzlich vertiefe dein Training deiner Abbruchsignale: das Aufmerksamkeitssignal und den positiv aufgebauter Geschirrgriff.
Sind Umweltbelohnungen auch für jagdlich motivierte Hunde geeignet?
Na klar, gerade für diese Hunde können Umweltbelohnungen extrem sinnvoll sein. Wichtig ist aber, dass sie nicht einfach unkontrolliert stattfinden, sondern in einen klaren, trainierbaren Rahmen eingebettet werden.
Können Umweltbelohnungen Stress reduzieren?
Ja, dafür müssen sie aber gut passend zur aktuellen Motivation des Hundes. Viele Hunde erleben Schnüffeln, Beobachten oder Suchverhalten als regulierend. Voraussetzung ist allerdings, dass der Hund dabei nicht schon in einer massiven Überforderung steckt.
Weiterlesen und vertiefen
Vielleicht möchtest du noch tiefer in das moderne Hundetraining einsteigen und erleben, wie es das Training von justDog Hundeschule Schwerte prägt.
In diesen Artikeln findest du weitere Gedanken, praktische Anregungen, theoretische Hintergründe und alltagstaugliche Impulse aus meiner Arbeit:
In meinen Einzeltrainings, Online-Beratungen und Workshops arbeite ich mit dir Schritt für Schritt daran,
Du darfst mit all deinen Fragen kommen und auch mit deiner Unsicherheit, Frustration oder Sorge.
Ich „bewerte“ weder dich noch deinen Hund. Wir schauen gemeinsam hin und finden Wege, die freundlich, machbar und wirksam sind.
Wenn du das Gefühl hast: „Genau so möchte ich mit meinem Hund arbeiten“,
dann melde dich gerne bei mir für ein Erstgespräch vor Ort in Schwerte oder online.
Ich freue mich darauf, euch kennenzulernen.
Ulrike Schöttler
Verhaltenstrainerin für Menschen mit Hund – justDog
